#1 Shakespeare/Neuner 1595-1604 von Klaus 08.03.2021 10:48

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In Shakespeares Komödien fehlt es nicht an tragischen Elementen (siehe etwa "Was ihr wollt"),
umgekehrt finden sich komische Elemente in den Tragödien. Die Wirkung der Sh.-Dramen beruht eben darauf,
dass wohl nie ein Dichter der Neuzeit falsche Sentimentalitäten und dergleichen Lebenslügen so konsequent
hat aussperren können.
Die OGs setzen ein mit der Sonne auf 15:00 . Das entspricht in der Ordnung der Trigramme
Dschen, dem "Erregenden". Nein, man muss sich nicht in das I Ging vertiefen, um das nachfolgende
Horoskop zu verstehen. Dennoch sei dies erlaubt - das "Urteil" zu Hexagramm 51 (=die Doppelung des
Trigramms Dschen):
"Das Erschüttern bringt Gelingen.
Das Erschüttern kommt: Hu,Hu!
Lachende Worte: Ha,Ha!"

(Übersetzung R.Wilhelm)

Siehe das Shakespearsche Thema des Mit- und Ineinanders von Komödie und Tragödie.
Es sei auch daran erinnert, dass es die Griechen waren (Wassermann-Kultur par excellence!),
bei denen sich Tragödie und Komödie die Hände reichten (siehe diesbezüglich u.a. Nietzsches "Geburt der Tragödie").

Wie dem aber auch sei: Spätestens um 1600 verdüstert sich die Weltsicht Shakespeares -um sich dann
u.a. im "Sturm" wieder aufzuhellen - dies aber erst Jahre später.
In die Zeit um 1600 fällt die Entstehung des Hamlet. Es gilt spätestens seit 1800 als ein Schlüsselwerk
(oder gar: das Schlüsselwerk) zum Verständnis des neuzeitlichen Menschen - und seiner "Gebrochenheit" -
Hamlet ist die Unschuld des Handelns abhanden gekommen - da dieses sich ständig durchkreuzt sieht von
lähmenden mentalen Bedenklichkeiten. (Ein späterer Reflex darauf ist das berühmte Kleistsche "Marionettentheater").
Auch das Thema der tragischen Verkettung von Schuld und Unschuld gewinnt an Gewicht - siehe etwa das Verhältnis
Hamlet-Ophelia.



Das Neuner 1595-1604 - in dieser Zeit Entstehung u.a. des Hamlet, wohl auch Romeo und Julia, evtl. auch King Lear.
Der AC-Regent im achten Haus, als Spannungsherrscher eben dort (hier GZH, ist aber auch bei u.a. Placidus gegeben):
das Thema von Leid und Verzicht, auch das des fortschreitenden unaufhaltsamen, am Ende womöglich tödlichen Übels.
Dazu der Verlust der Eigenidentität - auch des Eigenwerts -siehe die Polarität von zwei auf acht.
Und dazu .= - aufs Genaueste die tragische Entwicklung des "gebrochenen" Hamlets
infolge der genannten steten "Bedenklichkeiten" widerspiegend.
Das Thema von Haus 2 auf 8 hat vor allem in "König Lear" seinen Ausdruck gefunden-
möglichwerweise erst 1604 auf die Bühne gebracht - vermutlich aber schon vordem konzipiert oder gar komplett aufs Papier gebracht.
König Lear sieht sich von den eigenen Töchtern verleumdet, dann verbannt in die "Heide", dort verstanden nur noch vom Narren,
der sich der Wahrheit verpflichtet sieht.


Grüße,
Klaus

#2 RE: Shakespeare/Neuner 1595-1604 von glomph 08.03.2021 13:30

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Trefflich!

In meine innere Liste
der besten Beiträge aufgenommen.

LG
Bernd

#3 RE: Shakespeare/Neuner 1595-1604 von Klaus 08.03.2021 17:20

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Dankeschön, Bernd.
Ich war nie ein Shakespeare-Kenner (wiewohl studierter Anglist - shame on me..) -
mir ging es/geht es auch darum aufzuzeigen, dass sich geistige Strömungen nicht zuletzt
in den Neunern bekunden.
Was mir nach wie vor nicht ganz klar ist: neue kulturelle Impulse äußern sich i.d.R. zunächst
im Feld des Literarischen, dann der bildenden Künste, dann (erst dann) in der Musik.
Wobei man doch dem Empfinden nach annehmen könnte, es sei das Feld der Musik, in dem sich
die ersten Artiklulationen zeigen - ?
Siehe z.B. den romantischen Impuls - die romantischen Schöpfungen in der Musik folgen den literarischen,
nicht umgekehrt. In der Musik treibt die Romantik noch Blüten zu einer Zeit, in der die Literatur längst
ins Naturalistische, dann Expressionistische sich begeben hat.
Auch das wäre bei Gelegenheit mal astrologisch zu untersuchen .
Grüße,
Klaus

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